Artikel: "Odenwälder Zeitung", 06. Juli 2009
Fünf Gruppen - mitreißendes Rockspektakel
Nieder-Liebersbach. Vor der alten Sporthalle in Nieder Liebersbach war es warm an diesem etwas schwülen, aber angenehmen Sommerabend. Überall auf dem alten Sportgelände saßen junge Leute in Grüppchen und genossen die Atmosphäre. Ein paar hatten sogar Zelte mitgebracht, das Auto sollte heute stehen bleiben.
Drinnen in der Halle war es nicht warm - es war heiß. Das machten weniger die Temperaturen als die Bands, die zur zweiten Auflage des Festivals "Rock die Halle" nach Nieder-Liebersbach gekommen waren, und den 250 Zuschauern eine abwechslungsreiche und hochwertige Musikveranstaltung mitgebracht hatten. Fünf Gruppen verschiedener Richtungen der Rockmusik aus der Metropolregion feierten zusammen mit ihrem Publikum ein richtig gutes Rockfest.
Den Abend eröffneten die fünf Musiker der Weinheimer Formation "Hot Mustard" mit hartem Rock aus eigener Feder. Die mit einem Altersdurchschnitt von 19 Jahren jüngste Band des Abends setzte mit Songs wie "Die perfekte Welt" und "Rätsel von Dir" den Startschuss für die Rockparty. Die eingängigen Songs zeichneten sich durch gefühlvolle, selbstgeschriebene Texte aus, allesamt in deutscher Sprache: "Authentisch, ehrlich und vor allem verständlich", soll der Inhalt der von allen Musikern gemeinsam geschriebenen Stücke sein, sagte Hot-Mustard-Bassistin Nina Henk. Ausnahmen von diesem Credo genehmigten sich die fünf aber auch: Mit einem Griff in die Schatztruhe der Hard-Rocks-Historie holten sie Coverversionen von Black Sabbath und von Free hervor, Stücke, die gut doppelt so alt sind wie die Musiker selbst.
Ein richtiges "Brett von den Planken" bekam das Publikum vom Mannheimer Schwermetall-Quintett "Undine" um die Ohren gehauen. "Krautcore" bezeichnen die Fünf ihren Stil, schneller, harter und lauter Heavy-Metal hoher Güteklasse trifft die Sache aber auch ganz gut. Kennzeichen: Die flinke und präzise Gitarrenarbeit der Gitarristen Pascal Payer und Marc Zimmer, untermauert von den Weinheimer Brüdern Gregor und Philipp Neubauer mit einem soliden Bass- und Schlagwerk-Fundament. Frontmann und Rockröhre Florian Dzula verlieh den eigenen Stücken aus ihrer ersten CD "Syndrome", aber auch von ihrer in diesem Jahr erschienenen EP "Every Waking Breath", die genregerechte Stimme.
Alternativ-Rock vom Feinsten hatte das Trio "Everblame" aus Ludwigshafen mit nach Nieder-Liebersbach gebracht. Warum die erst 2005 gegründete Band nicht nur etliche Bandwettbewerbe für sich entscheiden konnte, sondern sich in der Alternativ-Szene zwischen Hamburg und München einen Namen gemacht hat? Der Auftritt zeigte das in jeder Sekunde: Diese Band definiert Dynamik. Bei den Stücken aus ihrem Erstlingswerk "Sine" und ihrer neuesten EP "Flowers" verschmolzen die Genregrenzen der Rockmusik. Ruhige, melancholische Passagen wechselten sich mit härtesten Brachial-Stakkatos ab, um ebenso unvermittelt zu melodischem Rock zu werden. Verbunden und unterstrichen wurden die Kompositionen durch die prägende Stimme von Gitarrist Raphael. Das alles war prima arrangiert und von drei sehr guten Rockmusiker auf der Bühne umgesetzt.
Den hatte auch "Soundition". Schon beim ersten Song, als Frontmann Mr. Frogg und seine sechs Mitstreiter ihr Ska- und Reggae-Sound-Feuerwerk zündeten, wurde die Halle zum Tanzsaal. Das sich daran nichts änderte, liegt zum einen an der ausgetüftelten, ansteckenden Bühnenshow der Musiker, die das Mittanzen zum Automatismus macht, zum anderen aber auch an den herausragenden Eigenkompositionen wie "37 Grad" oder "Und ich lauf". "Soundition" definierte an diesem Abend den Begriff "Live-Musik-Party" neu und zeigte, dass hohe musikalische und lyrische Qualität vor allem eins macht: Ganz, ganz viel gute Laune.
Einem sehr guten Rockabend setzte das Rock-Quintett "Jacky" die Krone auf. Und die spielten es ebenso einfach wie effektiv: Sie hatten Hard-Rock und Rock’n’Roll in seiner ursprünglichsten Form mitgebracht. Wer sich sein Leben lang geärgert hat, dass Status Quo und AC/DC nicht in deutscher Sprache texten, erlebte an diesem Abend seine "Offenbarung".
Das Rezept von "Jacky" ist bewährt: Bassist Mad Rock sorgt zusammen mit Drummer Richi Rock dafür, dass es nur nach vorne geht, wenn die Gitarristen Big G. Rock und King W. Rock ihre eingängigen Riffs in die Saiten hauen, und die Gitarrensoli im Stil der 70er zum Leben erwecken. uf
Steffen Kohlmann: "Wir Tischtennisspieler sind halt alles Rocker"
Nieder-Liebersbach. Die alte Halle in Nieder-Liebersbach hat der neuen Halle einen guten und vor allem einen rockigen Dienst erwiesen. Die Erlöse aus Eintritt und Getränkeverkauf des zweiten Musik-Festivals "Rock die Halle" werden nämlich ganz zu Gunsten des langersehnten Neubaus der SVG zugeführt.
Der Auftritte der fünf Rockformationen, die ihren Freitagabend und ihr Handwerk kostenlos zur Verfügung stellten, wird im Ort also dauerhafte Spuren hinterlassen. Die Idee sei ganz einfach gewesen, sagte der Drummer der ersten Band des Abends "Hot Mustard", Stefan Kohlmann, in anderer Funktion Tischtennis-Jugendtrainer und Organisator des Festivals: Als der Verein beschlossen hatte, jede Abteilung der SVG möge eine Veranstaltung zugunsten der neuen Halle durchführen, war für Kohlmann die Sache klar: "Wir Tischtennisspieler sind halt alles Rocker."
Gesagt getan: Kohlmann nutzte persönliche Kontakte und in Internetforen verflochtene Musikerkreise, und hatte auf dem "ganz kurzen Dienstweg" schnell ein ansehnliches Line-Up auf die Beine gestellt. Mit den Alternative-Rockern "Everblame" aus Ludwigshafen, eine Band, die bereits bei "Rock am Ring" auftrat, und der Ska- und Reggae-Formation "Soundition", die in Baden-Württemberg landesweit schon einige Preise einheimsen konnte, hatten sie überregional bekannte Headliner gewonnen, die spontan zusagten.
Sie packten ihr Equipment ein und machten sich "fürs Spritgeld" auf zu einen Abstecher ins Weschnitztal. Die Tischtennisabteilung der SVG hatte derweil alles an Freunden und Freiwilligen rekrutiert, um Kasse, Ausschank sowie Auf- und Abbau personell zu besetzen. Über 20 Helfer griffen den Leuten von der Tischtennisabteilung unter die Arme. "Ein superdickes Lob an all die Leute", sagte Kohlmann über die Arbeit, die den jungen, kreativen Köpfen aus der Metropolregion eine Auftrittsmöglichkeit im Weschnitztal bescherte. uf








